Vespa dreht von alleine hoch – Falschluft


Hast du dieses Problem auch? Deine Vespa fährt eigentlich ganz gut, aber ab und an spinnt sie? Man geht vom Gas, will ausrollen und zieht die Kupplung. Plötzlich dreht der Motor von alleine hoch. Aber der Gaszug hängt nicht und der Gasgriff dreht auch sauber zurück. Was ist also das Problem?

 

 

Zuviel Luft ist nicht gut

 

Eigentlich sollte dein Motor nur über den Vergaser Luft bekommen. Und in diesem Vergaser ist ein Gasschieber verbaut, der die Luftmenge steuert. Eigentlich ein simples und effektives System. Sobald der Gasschieber zu ist, kommt keine Luft nach (oder nur ganz wenig, der Motor soll ja an bleiben). Reißt man den Gashahn komplett auf, bringt der Motor voll Leistung und dreht hoch. Soweit so gut.

Nun weis dein Motor aber nicht, wann er Leistung bringen soll und wann nicht. Denn dein Motor macht immer das Gleiche – er versucht Luft anzusaugen. Dies passiert beim Zweitakter, indem der Kolben nach oben läuft. Wenn der Kolben Richtung Zündkerze unterwegs ist, wird der Raum hinter dem Kolben größer – ein Unterdruck entsteht. Dieser Unterdruck wirkt dann auf die Ansaugöffnung im Vergaser. Je nach Gasstellung strömt dann viel oder weniger Luft hinein.

Aber auch wenn wir nicht beschleunigen wollen, ist der Unterdruck trotzdem da. Dein Motor will immer Luft ansaugen und wir müssen ihn daran hindern. Daher sind im Motor überall Dichtungen verbaut, die den Kurbelwellenraum gegen die Außenwelt abdichten. Da hätten wir zum einen die Mitteldichtung, die zwischen den beiden Gehäusehälften ist. Sie geht auch rundherum um das Kurbelgehäuse. Dann haben wir 2 Wellendichtringe, rechts und links von der Kurbelwelle sitzen. Die sorgen dafür, dass deine Welle zwar mit den Zapfen aus dem Kurbelwellenraum herauskommt, aber trotzdem komplett abgedichtet ist. Die Zylinderfußdichtung dichtete den Kurbelwellenraum nach oben ab.

 

Alter Motor – Alte Dichtungen

 

Mit der Zeit altern Dichtungen einfach. Vorallem die Gummilippen der Wellendichtringe werden hart und spröde. Irgendwann sind sie wie Plastik. Jeder kann sich bestimmt vorstellen, dass man damit keine besonders gute Dichtigkeit mehr hinbekommt. Genau das ist der Kern unseres Problems: Wenn unser Motor jetzt, so wie bei jeder Umdrehung, versucht Luft anzusaugen, kann er dies durch die Wellendichtringe tun. Denn die Luft nimmt immer den einfachsten Weg. Sobald der Vergaser zu ist, wird die Luft versuchen irgendwo an einer anderen Stelle einzuströmen. Ein alter Wellendichtring ist da ideal.  Wenn der Vergaser offen ist, merkt man von dem Problem i.d.R. nicht viel, denn da hat die Luft genügend Platz um einzuströmen, sie wird also nicht großartig durch den Wellendichtring kommen.

Ein alter Motor wird früher oder später diese Probleme bekommen (wenn nicht vorher schon etwas anderes kaputt geht). Dies ist dann typischerweise der Zeitpunkt, an dem eine Motorrevision fällig ist. Aber warum muss es unbedingt sein? Man könnte es doch auch einfach hinnehmen, dass der Motor hochdreht beim Kupplung ziehen.

 

Falschluft – Stört das Gemisch

 

Unser Zweitakter ist ein Verbrennungsmotor. Um korrekt zu funktionieren, muss in ihm der Sprit richtig verbrennen können. Dies bedeutet, dass wir Luft und Sprit im korrekten Verhältnis mischen müssen, bevor wir es entzünden. Denn nur mit der richtigen Mischung, läuft die Verbrennung gut ab. Für diese Mischung ist der Vergaser zuständig.

Wenn die Mischung vom Idealwert abweicht gibt es immer Probleme: Zuviel Benzin und zu wenig Luft, führen zu einer kalten und unvollständigen Verbrennung. Der Motor hat weniger Leistung, stottert. Zylinder, Kolben und Zündkerze werden nass und verrußt.

Wenn zuviel Luft und zu wenig Benzin in der Mischung ist, passiert fast das Gegenteil: Der Motor hat eine extrem heiße Verbrennung, die Zündkerze könnte anfangen zu glühen, die Betriebstemperatur des Motor wird überstiegen usw. Die thermische Belastung ist hier das Problem.

Und genau deswegen ist Falschluft eben nicht zu vernachlässigen. Wenn der Motor zu seinem Gemisch noch einen extra Schuss Luft bekommt, führt das zur Abmagerung des Gemischs und damit zu einer heißeren Verbrennung. Die Folgen können immens sein: Der Kolben dehnt sich zu weit aus und bleibt im Zylinder stecken bei voller Fahrt. Ein heftiger Kolbenfresser ist die Folge, eventuell werden noch weitere Teile durch die heftige und plötzliche Abbremsung beschädigt.

 

Problemlösung

 

Wer einen Motor hat, der Falschluft zieht, sollte es nicht einfach hinnehmen. Es könnte im Endeffekt zu einem kapitalen Motorschaden führen. Eine Revision ist nötig. Dabei werden alle Dichtungen im Motor getauscht, sodass die Luft wieder korrekt fließt. Dazu ist eine vollständige Motordemontage notwendig. Üblicherweise wechselt man dann auch gleich noch die Lager und andere Verschleißteile. Ein richtig revidierter Motor kann wieder viele tausende & zehntausende Kilometer genutzt werden.

 

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